Heimatliches Rudern

Ruderrevier der Merseburger Ruderer
 

Als die Merseburger Rudergesellschaft 1906 gegründet wurde, befand sich das Behelfsbootshaus an der Saale oberhalb des Rischmühlenwehres. Die Ruderstrecke stromauf erstreckte sich bis Bad Dürrenberg. Eine reizvolle und ausreichende Ruderstrecke von 11 km Länge. Sie war fließend, kurvenreich und wurde gut angenommen. Stromab war unmittelbar am Bootshaus 1 Schleuse, doch die wurde nur bei Wanderfahrten genutzt. Als 1910 das jetzige Gelände am Stecknersberg gekauft wurde, da in der Leunaer Straße die Eigentumsverhältnisse unklar wurden, war dann unser Rudergebiet auf dem unteren Merseburger Saaleabschnitt.

Mit dem Neubau des Bootshauses und der Einweihung 1911 ist die Saale zwischen Meuschauer- und Planenaer Schleuse unser heimatliches Ruderrevier. Auch kurvenreich, (viel mehr als jetzt), aber für den Ruderbetrieb gut geeignet. Die vielen Kurven hielten die Fließgeschwindigkeit in Grenzen und stauten bei Hochwasser die Saale auf, so dass bei höherem Wasser die Aue (östliches Ufer) schnell überflutet wurde. Das wurde bei Sommerhochwasser von den Ruderern ausgenutzt für Fahrten über die Wiesen der Aue.

Bei den Klubregatten wurde stromauf gerudert – Start Luppemündung – Ziel Bootshaus, da diese Strecke einigermaßen gerade war und wenig strömte. Die Bogenbrücke unterhalb des Bootshauses war eine willkommene Zuschauertribüne.

Das änderte sich erst nach dem Bau des Mittellandkanals nach Leipzig. Anfang der 40iger Jahre wurde auch unser Ruderrevier davon betroffen. Umfangreiche Baggerarbeiten wurden ausgeführt und an unserem Bootshaus veränderte sich der Saalelauf stark. Vom Schleusengraben Meuschauer Schleuse bis zur Straßenbrücke Schkopau wurden etliche Flussbegradigungen vorgenommen. Auch direkt am Bootshaus wurde gebaggert, leider fiel dabei die schöne, vielgenutzte Fußgängerbogenbrücke der Flussverlegung zum Opfer. Ein geplanter Neubau kam nie zustande. Die Saale rückte nach Osten, und der Weg von der Bootshalle zum Steg wurde 50m länger. Etliche Kurven verschwanden und brachten uns einen gut ruderbaren Streckenabschnitt. Als positiver Nebeneffekt für unser Rudergelände war ein erheblicher Geländegewinn, der von der MRG gekauft wurde. Ein weiterer Gewinn für uns war, dass wir eine gute Regattastrecke erhielten, und die Stromauf-Regatten entfielen.

Im Krieg wurde ab 1941 der Bau des Kanals eingestellt und wurde nicht  weitergeführt. Das Ende der Kanalarbeiten hat keinen sichtbaren Nachteil gebracht, es wurde eine intakte Flusslandschaft übergeben.

Unser Ruderrevier hat sich durch die Kanalstrecke Meuschau-Werderschleuse um 3 km vergrößert und wurde in den Jahren 1947 bis Anfang der 70iger Jahre von uns sehr stark in Anspruch genommen. Als ich 1949 mit dem Rudern begann, war unsere Heimatstrecke noch öde und leer. Die frisch hergerichteten Ufer waren neu und mit einer starken Packlage aus Granitsteinen bedeckt. Strauchwerk und Bäume waren nicht vorhanden. Irgendwie hässlich bis trostlos. Das wurde von uns in Kauf genommen, hatten wir doch gegenüber früher eine bessere hindernisfreie Hausstrecke von 15 km Länge.

Als dann von sowjetischen Bombenfischern die Meuschauer Kanalbrücke in die Luft gejagt wurde, war dann etwas später eine Fähre an dieser Stelle, die wurde dann  durch eine Ponton-Fußgängerbrücke ersetzt, war aber ohne größere Einschränkungen für uns befahrbar. Als dann in den 70iger Jahren die „Alte Saale“, wegen des Aufschlusses und der nötigen Grundwasserabsenkung der geplanten Kohlegruben Wallendorf-Burgliebenau in den Kanal geleitet wurde, war der Kanal innerhalb von ein paar Jahren vollkommen verschlammt. Eine 1a-Regattastrecke, auf der sogar die DDR-Frauenmeisterschaft stattfand, war nicht mehr benutzbar und heute endet unser Ruderrevier an der Mündung der Meuschauer Schleuse. Schade!

Durch die Kanalbauarbeiten bekamen wir eine recht gute Regattastrecke Meuschau-Bootshaus. Start war in Meuschau, das Ziel 200 m unterhalb des Steges. Ab 1950 regte sich das Regattageschehen im Bootshaus wieder. Die erste Sektionsregatta war bereits 1950, entwickelte sich zur 3-Städte-Regatta Naumburg-Weißenfels-Merseburg, und zur 4-Städte-Regatta mit Pirna als Zuwachs. Dann war es nicht mehr weit bis wir eine DDR-offene-Regatta durchführten. Diese Regatten, jährlich in Frühjahr und Herbst, wurden sehr gut angenommen und hatten immer ein starkes Meldeergebnis. Leider schlief diese Regatta Ende der 80iger Jahre ein. Wenn im ehemaligen Bezirk Halle irgendwo eine Regatta infolge besonderer Umstände auszufallen drohte, sprangen wir öfter ein und führten diese Regatta bei uns in Merseburg durch.

Die Strecke Meuschau – Straßenbrücke Schkopau die sich uns Ende der 40iger Jahre so trostlos und leer präsentierte holte sich die Natur im Laufe der Jahre wieder zurück und heute haben wir eine herrliche Flusslandschaft mit Bäumen und dichtbewachsenen Ufer. Durch den Kanalbau wurde es auch möglich, dass wir einige Jahre bis 1970 eine erlebnisreiche Wanderfahrtenstrecke nutzen konnten. Jährlich mindestens einmal haben wir diese Fahrt, genannt Umfahrt, unternommen. 

Start war im Bootshaus im Gig D2o und D2mStm, denn nur mit diesen Booten war die Fahrt möglich. Im Kanal mussten die Boote zur „Alten Saale“ umgetragen werden.

An der „Badestrandbucht“ war eine Strecke von 300 bis 400 m über Land zu bewältigen, um an die „Alte Saale“ in die Fasanerie zu gelangen und dort wieder einzusetzen.

Eine mühselige Arbeit die uns abschreckte, diese Fahrt mehr als ein- bis zweimal im Jahr zu machen. Es gab zwar diese Fahrt auch ohne Umtragen, doch dafür musste man auf der Saale bis zum Waldbad Leuna rudern (zwei Schleusen) und an der Einfahrt zum Kanal bis zum Beginn der „Alten Saale“. Oberhalb von Trebnitz war ein recht hohes Fallwehr, wo die Boote über Land transportiert werden mussten, was bei einen hohen Ufer sehr schwierig war. Das war noch mühseliger als das Umtragen im Kanal und wurde daher nicht so oft unternommen.

Nach dem Umtragen, wenn alle wieder in den Booten saßen, konnten wir die Fahrt fortsetzen und es begann eine herrliche Fahrt die „Alte Saale“ und Luppe abwärts bis zur Saale und dann zurück zum Bootshaus. Die „Alte Saale“ floss durch die Fasanerie, ein sehr schöner Wald, an der alten Saalebrücke (Kinderbrücke, siehe letzte Heftseite) vorbei, durch eine schöne Auenlandschaft bis zur Mündung in die Luppe, unterhalb der Straßenbrücke Lössen-Burgliebenau und weiter bis zur Luppemündung in die Saale. 

Eine sehr kurvenreiche Strecke mit vielen Engstellen und starken Wildwuchs der Uferbäume. Diese Fahrt auf der „Alten Saale“ und Luppe auf einer Länge von 10 km verlangte von den Steuerleuten viel Können. Anstrengend, aber schön.

Leider wurde die „Alte Saale“ dann in den Kanal umgeleitet und der Flusslauf bis Luppe fiel trocken. Nach der Wende wurde die „Alte Saale“ zu einem kümmerlichen Graben degradiert, der mehr dem Hochwasserabfluss dient. Hier ist ein altes funktionierendes Fließgewässer mit all seinen Vorteilen für Fauna und Flora gedankenlos zerstört wurden und wird wohl so nie wieder kehren. Es ist wie immer, wenn der Mensch in die Natur eingreift, kommt selten etwas Gutes dabei heraus.

Wir sind mit unserem Rudergewässer zufrieden und fühlen uns wohl auf unserer Saale. Der Abbruch der Kanalarbeiten hat uns eine ruhige und ruderfreundliche Strecke gebracht. Außer wenig Sportbootverkehr und einigen Arbeitsschiffen haben wir unser Gewässer für uns, was das bedeutet, merken wir, wenn wir auf anderen Gewässern rudern und sehen welches Verkehrsaufkommen dort herrscht.

Für diesen Gewinn können wir auch auf die „Umfahrt“, so hieß diese Fahrt, verzichten.

Sie bleibt bei einigen Mitgliedern als eine schöne Erinnerung lebendig und daran sollen diese Zeilen erinnern.

Geschrieben von  Eberhard Selle

 

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